
15.02. | 2012
Spiekermann & Co: Europäische Aktien – wenn nicht jetzt, wann dann?
Die globale Schuldenkrise – insbesondere die Verwerfungen in Europa – beschäftigen seit Monaten die Kapitalmärkte. Infolge dessen haben insbesondere Europäische Aktien zeitweise erheblich an Wert verloren. Mit der Faktenlage hat dies allerdings nicht mehr viel zu tun. Und die Realität ist nun mal so, dass es Europa makroökonomisch besser geht als den USA oder Japan. Auch die Unternehmen in der Region stehen besser da. Die Bilanzen sind sauber, die Aktien trotz der jüngsten Erholung noch immer günstig bewertet. Wann, wenn nicht jetzt, sollte man also Europäische Aktien kaufen?, fragt Mirko Kohlbrecher von der Spiekermann & Co AG. In einer Kolumne schreibt er hierzu wie folgt:
"Bei der Allokation vieler globaler Aktienportfolios ist auffällig, dass Europäische Aktien massiv untergewichtet sind. Zudem werden sogar Korrelationswetten gefahren, die auf steigende Aktienpreise in den USA und auf fallende Aktienpreise in Europa setzen. Schaut man sich dann noch die relative Outperformance des Amerikanischen Index S&P 500 zum Eurostoxx 50 an, dann wird klar, dass dieses Verhältnis den höchsten Stand seit über 20 Jahren erreicht hat. Die Stärke der amerikanischen Aktien (der Dow Jones hat in 2011 massiv gegenüber dem Europäischen Märkten outperformt) hat auch mit der sogenannten „Eurokrise“ zu tun. Anleger flüchteten in als „sicher“ angesehene Märkte. Dabei liegt das Bewertungsniveau in den USA deutlich über dem Europas, und die „Eurokrise“ hat nur mittelbar etwas mit den Aktienkursen zu tun.
Dabei geht es den Euroländern ökonomisch gesehen besser als den USA: insgesamt hatte Europa 2011 eine Neuverschuldung von nur 40 Prozent der amerikanischen. Die Staatschulden Europas liegen deutlich unter denen Amerikas. Dennoch haben internationale Investoren und das angelsächsische Kartell der Ratingagenturen die politische Schwäche Europas ausgenutzt. Weil ein Schuldenschnitt weitgehend abgelehnt wurde, konnte es kommen, dass Griechenland mit einem sehr geringen Anteil der Europäischen Wirtschaftsleistung die politische Bühne dominierte.
Doch Europa hat mit einer Reihe von weltweit führenden Konzernen wie zum Beispiel Henkel, Beiersdorf, Nestle oder Volkswagen einiges zu bieten. Diese Unternehmen haben eine starke Positionierung in den Wachstumsmärkten und eine Marktführerschaft in vielen Sektoren.
Als Anleger sollte man die Aktien dabei in zwei Kategorien einteilen: Langfristinvestments und Zyklische Aktien. Langfristinvestments wie beispielsweise Novartis oder Nestle stellen dabei typischerweise Produkte des täglichen Bedarfs her. Die Nachfrage nach diesen Waren ist vom Auf- und Ab der Wirtschaft unabhängiger, als bei zyklischen Firmen. Gerade die Unternehmen, die eine hohe Preissetzungsmacht haben, eignen sich als gute und dauerhafte Anlage zum Inflationsschutz.
Zyklische Firmen bedürfen in der Regel einer genaueren Überprüfung, da sich der Innere Wert mit Hilfe künftiger Gewinne nur sehr schwer berechnen lässt. Die Erträge dieser Unternehmen haben eine starke Abhängigkeit zum konjunkturellen Umfeld, gegebenenfalls sind auch starke Verlustjahre einzukalkulieren. Daher ist eher eine Substanzwertberechnung dieser Unternehmen sinnvoller, um sich als Anleger eine Vorstellung vom fairen Wert des Unternehmens zu machen.
Konservative Anleger investieren also langfristig in defensive Aktien, kassieren jährlich eine schöne Dividende und lehnen sich entspannt zurück. Mutige Anleger sollten als Beimischung jedoch auch zyklische Aktien in ihre Überlegungen mit einbeziehen, da aufgrund der Rezessionsängste, insbesondere in Europa, viele Aktien auf extreme Bewertungslevel gedrückt wurden." (ir)
Quelle: FONDSprofessionell




