02.02.2012 |
Europa ertrinkt im Geld
02.02. | 2012
Dr. Seibold Capital: Europa ertrinkt im Geld
Der US-Notenbankchef Ben Bernanke ist berüchtigt dafür, dass er die Gelddruckmaschine auf Hochtouren laufen lässt, um die US-Wirtschaft am Leben zu halten. Sein Amtskollege in Europa – EZB-Chef Mario Draghi – hat in dieser Hinsicht allerdings allem Anschein nach zu weit übers Ziel hinausgeschossen, wie Alexander Seibold, geschäftsführender Gesellschafter Dr. Seibold Capital GmbH, anmerkt. Die EZB habe so viel Geld abgeworfen, dass Europa in Geld ersäuft und Großanleger das Geld lieber wieder verschenken. Das sei kein Witz, sondern bittere Realität, die sich längerfristig als Eigentor erweisen könnte, so Seibold. In einem Marktkommentar schreibt er hierzu wie folgt:
„Das gab es noch nie: Bei der Emission von kurzlaufenden Bundeswertpapieren im Januar wurde ein "negativer Zins" von 0,1 Prozent realisiert. Anleger haben also noch Geld draufgezahlt, um der Bundesrepublik Deutschland Geld leihen zu dürfen. Abzüglich der Inflationsrate sind die Anleihen damit ein sicheres Minusgeschäft.
Was lehrt uns dies? Die Notenbanken haben ihr Pulver verschossen. Mehr als verschenken kann man Geld nicht. Ende Dezember hatte die Europäische Zentralbank (EZB) 500 Milliarden Euro zum Fast-Null-Zins an Banken ausgeliehen - mit dem Effekt, dass diese das Geld gleich wieder bei der EZB auf Festgeldkonten bunkern. Ende Februar ist geplant, noch einmal bis zu 1000 Milliarden Euro den Banken billigst zu verleihen. Auch dieses Geld wird wahrscheinlich wieder größtenteils bei der EZB geparkt. Der Effekt für die Realwirtschaft aus den Bemühungen der EZB ist somit Null. Einen starken Effekt hat es dagegen für die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hat sich bis Ende 2011 auf 2700 Milliarden Euro aufgebläht.
Ist damit genug billiges Geld im Umlauf, um den Aktienmarkt in Schwung zu halten? Ich meine, hier ist Vorsicht angebracht. Das jetzige Kursniveau von rund 6600 Punkten im DAX ist eine Topbildung, nach der es unserer Meinung nach eine stärkere Konsolidierung geben wird. Der Kursrückgang könnte im ersten Anlauf bis auf einen Stand von 6100 Punkten, und im Weiteren auf ein Niveau von 5630 Punkten im DAX führen.
Für diese Einschätzung gibt es mehrere Gründe: Mehrere Kennzahlen, wie der RSI-Indikator oder der MACD, weisen auf ein Ende der jüngsten Kurssteigerungen hin, ähnlich wie Ende Juli des letzten Jahres. Dazu kommt: Schaut man sich die Stimmungsindikatoren an, fällt auf, dass derzeit vor allem Privatanleger Optimismus zeigen, während die institutionellen Anleger überwiegend skeptisch sind. Auch dies ist ein Zeichen für ein nahendes Ende einer Zwischenerholung.“ (ir)
Quelle: Fondsprofessionell
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